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15 Januar 2010

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 Januar 15, 2010
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… zwei Monate Auszeit in einem Dominikanerinnenkloster.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Suche nach Gott trieben mich schon öfter ins Kloster, um Exerzitien zu machen. Mehr und mehr faszinierte mich dabei das Leben der Schwestern. Und so beschäftigte ich mich intensiv mit Klöstern und den evangelischen Räten Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam.

Könnte ich so leben?

Ich wollte es wissen und ausprobieren! Also ging ich im August und September 2009 für zwei Monate zu den Schwestern. Diesmal nicht ins Gästehaus, sondern als „Kandidatin“ in die Klausur.

Warum ich gerade Dominikanerinnen wählte, hat einen Grund. Der Ordensgründer Dominikus ging immer hinaus zu den Menschen, er hat sich mit seinem Bettelorden als Protest auf die damals sehr reiche und prunkvolle Kirche verstanden, die die Armen und Kranken häufig vollständig aus den Augen verloren hatte. Aber – anders als der hl. Franziskus – legte er auch sehr viel wert auf Studium und Bildung. Schließlich kann man gegen Irrlehren (damals waren es die Katharer) nur ankommen, wenn man die richtigen Argumente bereit hat.

Ich freute mich also auf zwei Monate Leben mit Gott, Ruhe, Gleichmaß, Spiritualität, aber auch auf Arbeit und Begegnungen mit Menschen.

… und wurde bereits nach drei Tagen das erste Mal enttäuscht!
Doch der Reihe nach …

Ein nüchterner Rückblick

Meine Ankunft war zwei Tage vor dem großen Dominikusfest (am 8.8.). An diesem Festtag hatten die Schwestern ein diamantenes Profess-Jubiläum (60 Jahre) zu feiern, die Vorbereitungen zum Fest liefen schon auf Hochtouren.
Die Aufnahme der Schwestern war herzlich und voller Liebe und so packte ich also noch mit an, wo ich konnte.

Das Fest selbst war auch sehr schön, doch die Ernüchterung folgte am Tag drauf, als mir die Noviziatsleiterin die zweite DIN A4-Seite mit dem Tagesplan in die Hand drückte (die erste Seite bekam ich gleich nach der Ankunft).

Von wegen Beten und Arbeiten!

Ständig war irgendwas los, wo man sein musste (Arbeit, Gebet, Gespräch, Essen, Bibelteilen, Betrachtung, „Studium“, Kaffeepausen). Der Tag war in einen ziemlich ekelhaften 45-Minuten-Takt eingeteilt. Außer bei der Arbeit gab es keine Möglichkeit, länger als 1,5 h bei irgendeiner Sache bleiben zu können. Und: um 5 Uhr aufstehen – um 21 Uhr nächtliches Stillschweigen.

Das schockierte mich! So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Hinzu kam, dass das Noviziat eine Klausur in der Klausur ist. Die Frauen sind hier die ersten etwa sechs Jahre praktisch nur unter sich. Wir waren zu viert: die Noviziatsleiterin, eine Postulantin (sie trägt noch kein Ordenskleid und hat noch keine Gelübde abgelegt, lebt aber schon ständig im Kloster) und eine Schwester im Juniorat (sie hat die zeitlichen Gelübde bereits abgelegt und macht gerade eine Ausbildung). Altersmäßig waren wir alle so zwischen 30 und 40.

Mit meiner geistlichen Begleiterin, mit der ich mehrmals Exerzitien gemacht hatte, durfte ich kaum reden…

Ich steckte meine Enttäuschung zunächst weg und versuchte, das Beste draus zu machen. Die Vorsehung kam mir ein wenig entgegen, da durch die Erkrankung einer Schwester für das Gästehaus nur unzureichend Arbeitskräfte bereitstanden. So wurde meine geistliche Begleiterin dort eingesetzt … und ich auch – um das Chaos ein wenig abzufangen. Nun hatten wir also immerhin erreicht, dass wir miteinander reden konnten, soviel wir wollten.

Das Leben im Noviziat nervte allerdings zunehmend. Zum einen erschien es mir wie Kindergarten. Am Sonntag war gemeinsames Spazierengehen, gemeinsames Kaffeetrinken und am Abend gemeinsames Spielen angesagt… Und immer nur die Frauen im Noviziat unter sich!

Auch die Gespräche mit der Noviziatsleiterin – es sollte eine Art geistliche Begleitung sein – erschienen mir nutzlos. Sie verstand mich nicht – oder wollte es nicht. Ich war gekränkt und verletzt, weil es mir so vorkam, als würde mein bisheriges Leben nicht zählen. Alle Krisen und Probleme, die ich schon gelöst habe und die mich natürlich auch als Persönlichkeit prägten, wurden weggewischt. Offenbar ist nur das wichtig, was in der konstruierten Enge des Noviziats passiert.

Und draußen brennt die Welt!

Aber das scheint die Schwestern generell nur wenig zu interessieren. Außer einer einfältigen Regionalzeitung habe ich keine anspruchsvolle Zeitung gefunden, die den Schwestern zur Verfügung stand. Die Bibliothek war ziemlich unsystematisch zusammen gewürfelt. Es fand sich das, was die Schwestern mitbrachten. Ein bisschen Spiritualität, kaum Theologie, keine theologischen Neuerscheinungen, keine theologische oder spirituelle Fachzeitschrift.

Aber zum Lesen war ja eh keine Zeit!

Nach drei Wochen hätte ich den Versuch fast abgebrochen. Die Gespräche mit der Novizatsleiterin wurden – bei aller Freundlichkeit, mit der sie abliefen – für mich fast unerträglich. Alles, was für mich irgendeinen ideellen Wert hatte, wurde mit Füßen getreten. Das ist meiner Meinung nach regelrecht unchristlich.
Je mehr ich auch über das Leben der Schwestern erfuhr, umso mehr befremdete es mich. Die Schwestern bekommen kein Taschengeld und müssen um einen Kaugummi bei der Priorin betteln – wenn sie z.B. auf Reisen gehen und ihnen im Bus gerne schlecht wird…

Während des Noviziats muss man den Kontakt zu den Eltern sehr einschränken, den Kontakt zu Freunden ganz abbrechen. Später kann man ihn dann wieder aufnehmen.

Für mich stand nur ein großes „Warum?“ im Raum.

Mir erschien es mehr wie geschlossener Strafvollzug! Ich habe doch nichts verbrochen, wofür ich „weggesperrt“ werden müsste! Mit Spiritualität hat das in meinen Augen nun definitiv nichts zu tun.

Nachfolge Christi?
Nein! So nicht! Ich glaube nicht, dass ER das so wollte… Da folge ich ihm doch lieber weiterhin als Freiberuflerin in seiner bedingungslosen Freiheit nach, jener Freiheit, die sich nichts und niemandem unterordnet und verantwortlich weiß, als allein Gott in der Höhe!

Trotzdem, ich hielt die zwei Monate durch! Allerdings nicht ohne meinen Widerstand zu leben und zu formulieren. Schon bald suchte ich – und fand – den Kontakt zu den Mitschwestern und ließ mich vom Noviziats-“Kindergarten” nicht unnötig einspannen.

In den letzten Gesprächen sagte mir die Noviziatsleiterin, sie hätte meine Rebellion wohl gemerkt, aber sie fände sie – ich zitiere – „pubertär“!!!!

Damit war für mich das Ende erreicht!

Fazit

Als weit über 30-jährige Freiberuflerin hat man im Kloster nichts mehr verloren. Zumindest nicht mit diesen festgefahrenen mittelalterlichen Strukturen. Solange jede Kritik „pubertäre Rebellion“ ist, ist in meinen Augen Hopfen und Malz verloren.

Es hat mir gut getan, einmal zwei Monate etwas ganz anderes zu tun. Die gemeinsamen Chorgebete, die Arbeit und das Leben in der Gemeinschaft waren wunderschön – das alles habe ich als Wegzehrung für mein Leben in meinem Herzen mitgenommen. Und der Kontakt zu meiner geistlichen Begleiterin besteht ohnehin weiter.

Am Ende aber bleibt eine große Enttäuschung: über die Behandlung der Menschen dort, über das fast mittelalterliche Frauenbild, über die zum großen Teil mangelhafte Bildung und das Desinteresse an Weiterbildung, über die ungesunde Ernährung (zu fett, zu süß und für mich einfach zu viel Fleisch und zu viel Kaffee!) … und darüber, dass die Schwestern das alles so mit sich machen lassen.

Kein Wunder, dass der Nachwuchs ausbleibt! Für eine modern denkende Frau kann das Kloster – leider (!) – keine Alternative zu ihrem Leben sein.

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